Der Deutsche Gehörlosenbund teilt folgendes mit:
Am 1. Oktober 2012 besuchten Vertreter der Gehörlosenverbände Deutschlands älteste Justizvollzugs-Anstalt (JVA) in Waldheim bei Chemnitz / Sachsen. Im Vorfeld hatte der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. den sächsischen Staatsminister der Justiz, Herrn Dr. Jürgen Martens, um die Möglichkeit zur Besichtigung einer JVA gebeten. Bei dieser Gelegenheit sollte auch die ausführliche Befragung eines tauben Häftlings stattfinden.
Als Ergebnis einer Umfrage seitens des sächsischen Justizministeriums wurde dann die Waldheimer Anstalt ausgewählt, in der auch ein tauber Insasse lebt. Jens Langhof, 1. Vorsitzender des Landesverbandes der Gehörlosen Sachsen e. V., und Wolfgang Bachmann, Beisitzer im Präsidium des Deutschen Gehörlosen-Bundes e. V., besuchten den gehörlosen Häftling und tauschten sich mit ihm sehr ausführlich u. a. zu Haftbedingungen, Barrierefreiheit und Strafprozessordnung aus. Im Wesentlichen wurden keine groben Diskriminierungstatbestände festgestellt.
Der taube Gefangene konnte den Haftumständen entsprechend gut leben und kam mit den anderen einsitzenden bzw. dort arbeitenden Menschen gut zurecht. Diese Einschätzung wurde auch vom Leiter der JVA, Herrn Kempf, und vom Abteilungsleiter, Herrn Mielke, bestätigt.
Allerdings fielen einige Defizite und Mängel an Barrierefreiheit auf, mit denen andererseits auch taube NormalbürgerInnen im Alltagsleben zurechtkommen müssen. Der Deutsche Gehörlosen- Bund e. V. und der Landesverband der Gehörlosen Sachsen e. V. setzen sich auch im Bereich der Strafjustiz für Chancengleichheit ein; in nächster Zeit sind Beratungen mit dem Freistaat Sachsen zum Thema geplant.
- ·
- Melden
- ·
- 20. Oktober 2012 9:43


Deutsch (DE)